Fahrradtour „Romantische Straße“
von Würzburg nach Füssen vom 31.05.-12.06.2010
Wanderführer Horst Borkenstein

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Am sehr frühen Montagmorgen starteten wir mit 9 Wanderfreundinnen und Wanderfreunden am Dortmunder Hauptbahnhof zu unserer Radtour auf der „Romantischen Straße“. Bereits am Mittag erreichten wir Würzburg und hatten ausreichend Zeit die Stadt und insbesondere die „Residenz“, sowie die hoch über der Stadt gelegene Festung Marienberg zu besichtigen.
Am nächsten Tag begann dann die eigentliche Radtour. Wir verließen Würzburg über die „Alte Mainbrücke“ mit einem letzten Blick auf die Marienfeste.

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Dann ging es über einige kräftige Anstiege (16 %!), die nur schiebend zu überwinden waren, hinab nach Werbach ins „Liebliche Taubertal“. Von dort führte unser Radweg entlang der Tauber nach Tauberbischofsheim und danach zu unserem ersten Etappenziel, Bad Mergentheim bekannt durch das Deutschordensschloss mit der Schlosskirche. Die 2. Etappe brachte uns bereits nach kurzer Fahrzeit zum Schloss Weikersheim. Der sehr schön angelegte französische Barockgarten wurde ausführlich besichtigt und danach konnten wir in dem benachbarten Weinort Röttingen an dem 2 km langen Sonnenuhrenweg 30 unterschiedliche Sonnenuhren bewundern.

In Creglingen machten wir einen kurzen Abstecher vom Radweg um in der nahen Herrgottskirche den berühmten Marienaltar von Tilman Riemenschneider zu sehen. Am Nachmittag erreichten wir dann das kleine Örtchen Detwang mit der 1.000 jährigen St. Peter und Pauls Kirche. Hier ist der berühmte „Heilig-Kreuz-Altar“, eine weitere Arbeit von Tilmann Riemenschneider, zu bewundern. Danach ging es schiebend aus dem Taubertal hinauf nach Rotenburg o.d.T., unserem 2. Etappenziel. Beim abendlichen Spaziergang sahen wir das Rathaus, die gotische St. Jakobskirche, das Kriminalmuseum aber auch Käthe Wohlfahrts Weihnachtsladen. Selbstverständlich führte der Rundgang auch über die begehbare Wehrmauer.
Am Donnerstagmorgen verließen wir Rothenburg durch das Spitaltor in südlicher Richtung. Es hatte angefangen zu regnen.

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Wir sahen Schloss Schillingsfürst am Wege liegen und erreichen ziemlich durchnässt den Ort Feuchtwangen. Nach einer kurzen Mittagseinkehr beschlossen wir, wegen des Dauerregens den Radweg über eine Alternativroute abzukürzen und erreichten bei Schopfloch die Wörnitz. Wir folgten dem Flüsschen durch sein romantisches Tal und gelangten durch das „Rothenburger Tor“ nach Dinkelsbühl. Unser Hotel liegt inmitten des Stadtkerns und es ist schon ein besonderes Gefühl in einem solch historischen Gebäude (erbaut im 17. Jahrhundert) zu wohnen. Wegen des schlechten Wetters wurde ein ausführlicherer Stadtrundgang auf den nächsten Vormittag verlegt. Dabei erfuhren wir von der jährlich stattfindenden Kinderzeche lernten wir die Geschichte von der Kinderlore im 30 jährigen Krieg kennen.

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Inzwischen hatte das schlechte Wetter aufgehört und es wurde plötzlich richtig warm. Wir verlassen Dinkelsbühl durch das „Nördlinger Tor“ und erreichten bald den Ort Maihingen am nördlichen Kraterrand des „Nördlinger Ries“. Wir erfuhren, dass das Ries durch einen ca. 1 km großen Steinmeteoriten entstanden sein muss, der bei seinem Aufprall auf die Erde ein ca. 12 km großes Loch gerissen hatte, eben das „Nördlinger Ries“. Bald sahen wir schon in der Ferne den „Daniel“, den 90 m hohen Glockenturm der spätgotischen Hallenkirche St. Georg mitten in Nördlingen. Unser Hotel liegt direkt am Dom.

 
  Abends bestiegen wir den Daniel (350 Stufen), wurden von dem dort oben wohnenden Türmer begrüßt und genossenen noch einmal aus dieser Höhe den Blick über das Ries und die Stadt Nördlingen. Es folgte ein Rundgang auf der noch vollständig erhaltenen Stadtmauer. Spät abends versammelten sich die Menschen unterhalb des „Daniel“, denn zwischen 22:00 und 24:00 Uhr öffnet der Türmer sein Fenster und ruft halbstündlich seinen Ruf: „So G’sell so“. Den Sinn dieses Rufes hatte ich zwar nicht verstanden, aber mit den übrigen Anwesenden diesen Ruf erwidert.  
Bild 9 Nördlingen verließen wir am nächsten Tag durch das Reimlinger Tor und erreichten bei Hoppingen wieder die Wörnitz. Dem Lauf des Flusses folgend sahen wir oberhalb des Ortes Harburg die mächtige Anlage des Schlosses Harburg. Weil alle äußeren Bedingungen günstig waren, beschlossen wir, am heutigen Tag zu „picknicken“. Schnell wurden alle notwendigen Speisen und Getränke beschafft und auf einer goldenen Rettungsfolie von unseren Mädels äußerst dekorativ angerichtet. Nach diesen leiblichen Genüssen musste wieder etwas getan werden, damit wir am Spätnachmittag unser Ziel erreichen konnten. Unser Hotel in Donauwörth liegt direkt an der Ortsdurchgangsstraße. Halbstündlich ist der damit verbundene Verkehrslärm aber nicht zu hören, nämlich immer dann, wenn vom gegenüberliegenden Münster „Zu unserer lieben Frau“ die Pummerin (die größte Turmglocke Schwabens) ertönt. Da wir nach den Radtouren meistens rechtschaffen müde waren, haben alle auch in Donauwörth gut geschlafen. Bild 6
  Am nächsten Morgen überquerten wir zunächst die Donau bei Donauwörth und erreichen später bei Langweid den Lech. Zwischen Lech und Lechkanal geht es dann bis nach Augsburg. Bevor wir unser Hotel in der Innenstadt von Augsburg beziehen konnten, besuchten wir noch die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt. Wir besichtigen eine historische und eine zeitgenössische Musterwohnung. Wir erfuhren, dass die Bewohner auch heute noch in der sehr gepflegten Wohnanlage eine Jahresmiete von lediglich 0,88 € zu bezahlen haben. Sie sprechen dafür täglich einmal ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria für den Stifter und die Stifterfamilie Fugger. Der abendliche Stadtbummel in der „Großstadt“ Augsburg ist nicht so romantisch wie in den bisherigen Aufenthaltsorten.  
  Nach Augsburg fuhren wir durch herrliche Parklandschaften parallel zum Lech bis nach Kaufering. Dort sahen und besichtigen wir den ersten Vorboten des bayerischen Pfaffenwinkels, das Kirchlein St. Leonhard. Am Nachmittag erreichen wir Landsberg am Lech. Abends haben wir es uns nicht nehmen lassen, auf Barhockern an der Mauer entlang des Lechs zu sitzen und hochgeistige Getränke zu uns zu nehmen und ebensolche Gespräche zu führen.  
Bild 1 Von Landsberg ging es östlich des Lechs weiter bis nach Schongau. An diesem Tag musstenen wir des Öfteren an einigen hügeligen Passagen unsere Räder schieben. Wir haben den eigentlichen Pfaffenwinkel erreicht, und die Landschaft sowie die Orte am Weg wurden immer reizvoller.  
  Die letzte Etappe führte uns - in der Nähe des Lechs - weiter durch das Alpenvorland. Wir erreichten am Mittag Steingaden und besichtigten hier die ehemalige Klosterkirche St. Johann Baptist, das „Welfenmünster“. Von diesem beeindruckenden Kirchenbauwerk gingen die Impulse zum späteren Bau der Wieskirche aus. Nachdem wir Steingaden verlassen hatten, erreichten wir nach einigen kräftigen Anstiegen kurz darauf die Wieskirche.  
  Die Entstehung dieser wohl schönsten barocken Kirche geht auf ein Wunder zurück. Als die Wieshof-Bäuerin, wie jeden Abend, zu einer Holzplastik des gegeißelten Heilands betete, stellte sie fest, dass der Figur echte Tränen in den Augen standen. Daraufhin wurde eine kleine Kapelle gebaut und weil die bald für die große Zahl der Gläubigen zu klein wurde, errichtete Dominikus Zimmermann an dieser Stelle eine größere Wallfahrtskirche. Bild 2
  Beeindruckt von der Schönheit dieser Kirche guckten wir nicht schlecht, als uns plötzlich, angeführt von Christel Buchbinder, eine Radlergruppe aus Füssen erreichte.*) Diese Gruppe war schon einige Tage im Schwangau und hat uns auf unserer letzten Radetappe hier empfangen und anschließend mit uns gemeinsam wieder zurück gefahren. Unterwegs gab es noch ein gemeinsames Foto vor St. Coloman mit Neuschwanstein im Hintergrund. Daran schlossen sich noch 2 Erholungstage an, die wir zum Besuch der Passionsspiele in Oberammergau und einer Wanderung auf dem Tegelberg nutzten.  
Bild 8 Wir sind insgesamt 440 km gefahren und hatten nach 3 Tagen wechselhaften bzw. regnerischem Wetter nur noch Sonnenschein. Alle Teilnehmer waren angetan von dem sehr schönen und insbesondere auch sehr abwechslungsreichen Radweg. Für die häufig sehr hügeligen Streckenabschnitte sollte muss man aber auch ein wenig Kondition mitbringen. *) siehe Seite Oberammergau  
 

Horst Borkenstein

 

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