Vorwort
Liebe Wanderfreundinnen, liebe Wanderfreunde!
Wandern ist nicht nur des Müllers Lust.
Doch was ist es, was da alles wandert?
Die Wanderameisen, die aus dem alten zu engen Bau ausziehen und ein neues Volk woanders gründen; der Wanderfalke, der weite Strecken zurücklegt, um für seine Brut bessere Futterplätze zu finden; die Wanderfalter wandern im Herbst und Winter von Nordamerika bis Mexiko und kehren im Frühjahr und Sommer wieder zurück; die Wanderfische im Meer, wie Thunfisch und Hering, oder Lachse, die im Meer leben und zum Laichen ins Süßwasser wandern, sowie auch umgekehrt:
Störe, die im Süßwasser leben und im Meer ab laichen; die Wanderheuschrecken, die nach Massenvermehrung an ihren Rastplätzen die Vegetation vernichten; der Wanderschäfer, der mit seiner Herde von einem zum anderen Futterplatz zieht.
Aber da ist noch viel mehr „Wanderfähiges“ unterwegs: die Wanderbühne, die die Kunst auch bis in die kleinen Orte bringt; die Wanderdüne, bei der durch gleichbleibende Windrichtung ein Umlagern der Sandkörner von Luv- zur Leeseite erfolgt, so dass der gesamte Dünenkörper allmählich weiterwandert, ohne seine Gestalt zu verändern; auch unsere Niere kann nach unten wandern, aber nur auf Grund einer Bindegewebeschwäche; und dann sind da noch die vielen Wandervögel, zu deren „flugunfähigen“ wir gehören.
Denn das Wandern des Deutschen Lust.
Schon die Studenten im Mittelalter hielt es nie lange an einem Ort. Die deutschen Kaiser wanderten nach Italien oder ins Heilige Land. Die Handwerksburschen gingen auf die „Walz“; Künstler und vornehme Leute auf Bildungsreise. Unbequeme, die der Obrigkeit Ärger machten, wanderten ins Gefängnis.
Und die Bundesbürger von heute gelten als das reiselustigste Volk der Welt. In keinem anderen Land handeln so viele Gedichte und Lieder vom Wandern: einfache Volksweisen, jugendbewegte Wandervogel-Schwärmerei; Kunstlieder ohne Zahl unserer Dichter und Komponisten werden auf der ganzen Welt gesungen.
Aber was waren die Gründe für diese Lust zum Wandern?
Man muss da einen historischen Blick nach rückwärts werfen, in die Zeit der Völkerwanderung. Vor allem waren es germanische Völker, die eine Fluchtbewegung in diesem Raum auslösten. Doch wenn ganze Völker wandern, hat das nichts mit dem Treffen an romantischen Lagerfeuern zu tun. Als etwa um das Jahr 375 die Hunnen nach Mitteleuropa einbrachen, begann die Flucht, die wir heute als Völkerwanderung bezeichnen. Auch das römische Weltreich wurde unter dieser Lawine begraben; wenige kamen ungeschoren davon. Das Ende der Völkerwanderung wird etwa bis zum Einfall der Langobarden in Italien im Jahr 568 gerechnet.
Und die Wandernden?
Auch hier gingen ganze Stämme unter. Manche Völker kamen ans Ziel, verloren aber ihrer neue Heimat schon nach wenigen Generationen. Jedoch wir, liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde, haben unsere Heimat beim SGV in der Abteilung Dortmund-Aplerbeck gefunden, lassen uns nicht vertreiben und werden noch viele Wanderungen gemeinsam unternehmen. In diesem Sinne ein fröhliches „Frisch auf“
Das wünscht von Herzen mit unserem Wandergruß
„Frisch auf“
Euer Heinrich